Ein Festival sagt einer Band den Auftritt ab – mit der Begründung, man wolle keine Politik auf der Bühne. Was folgt, ist ein medialer Aufschrei, der zeigt: Nicht-Positionierung ist auch eine Positionierung. Und das kann nach hinten losgehen.
In dieser Folge spreche ich über den Alphaville-Fall – und was er dir als Musiker oder Veranstalter über Image, Zielgruppe und Haltung verrät.
Wie es gerade sehr aktuell durch die Medien rauscht: Der Veranstalter des „Glücksgefühle“-Festivals sagte der Band ihren Auftritt auf der Veranstaltung ab – mit der Begründung, man wolle keinerlei politische Aussagen auf den Bühnen dulden.
Hintergrund war wohl die Bitte des Veranstalters, politische Aussagen zu vermeiden.
Der Veranstalter erklärte seine Begründung wohl mit dem Unmut einiger Festival-Gäste, nachdem Alphaville-Sänger Marian Gold sich gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie eingesetzt hatte.
Die Intention des Veranstalters mag dabei durchaus von guten Absichten geprägt gewesen sein: politische Diskussionen vermeiden, Kunst in den Mittelpunkt der Bühne stellen.
Die Story ist bekannt: Veranstalter lädt Künstler aus – es folgt ein medialer Aufschrei, Shitstorm, weitere Künstler, die ihren Auftritt bei dem Festival absagen usw.
Der Veranstalter rudert zurück und will es wieder gut machen.
Aber zu spät. Der mediale Aufschrei ist viel zu groß.
Was bedeutet dieser Fall für dich als Musiker oder als Veranstalter?
Folgendes:
Es ist eben NICHT EGAL, wofür du stehst. Und es ist auch nicht egal, wogegen du dich positionierst.
Und selbstverständlich auch deine Künstler, die du buchst.
Schon ohne den Grund zu nennen, ist eine Ausladung in den heutigen Zeiten als Künstler ja sowieso schon an sich ein ziemlicher Hammer.
Musiker und Künstler sind auf Live-Veranstaltungen und die damit verbundenen Einnahmen mehr denn je angewiesen.
Das ist das Eine.
Aber es hätte doch klar sein dürfen, dass die Festivalbesucher und natürlich die Künstler-Szene sowieso eher einem linken, liberaleren Teil der Gesellschaft zugehörig sind.
Es hätte doch klar sein müssen, dass diese Szene bei einer Ausladung auf die Barrikaden springt – und dann auch noch ausgerechnet mit der Begründung, man wolle keinerlei Politik-Statements etc. auf der Bühne haben.
Das sieht eher verdächtig nach einem Zeichen der Schwäche aus.
Nach Einknicken. Nach Kuschen.
Und zwar Einknicken vor den Erzfeinden.
Mundtot machen. Bloß nichts sagen.
Genau das wurde am Ende zum Boomerang gegen den Veranstalter selbst.
Das hätte dem Veranstalter klar sein müssen:
Künstler und Musiker können und wollen sich – gerade in diesen herausfordernden, demokratiefeindlichen Zeiten – das Wort und die Stellungnahme nicht verbieten lassen. Als Singer-Songwriterin kenne ich das Gefühl aus der Perspektive der Musiker und Künstler nur zu gut.
Man hat als Künstler eine Message und eine innere Verpflichtung, diese Message auch in die Welt zu bringen. Manchmal auch entgegen weitläufiger Meinungen. Künstler sind von Natur aus Rebellen und Erneuerer. Und oft eben auch Kämpfer für die gute Sache.
Aus meiner Sicht hat der Veranstalter seine eigene Zielgruppe nicht verstanden. Die Zielgruppe nicht wirklich zu kennen oder zu verstehen, kann man sich nicht leisten, wenn man in der Medienbranche und damit in der Öffentlichkeit arbeitet.
Wie man an dieser Sachlage erkennen kann:
Es ist NICHT egal, wofür du stehst oder nicht stehst. Wie man hier erkennt, ist es keine Nebensache.
Das heißt: Du selbst musst als Musiker oder als Veranstalter wissen, wofür deine Leute stehen und wofür du selbst einstehst. Und du musst checken, was welche Wirkung haben wird. Gerade in dieser Medien- und Musikbranche.
Wenn du als Künstler oder Veranstalter in der Öffentlichkeit stehst, hat dein Handeln und Nicht-Handeln immer eine Außenwirkung. Und zwar immer. Mal schlägt es kleinere, mal größere Wellen. Die Wirkung von diesem Eklat wird bestimmt nicht so leicht vergessen sein. Der Name des Festivals „Glücksgefühle“ wird in Zukunft immer mit diesem Eklat verbunden bleiben und hat auf die Marke und auf das Festival unwiderruflich abgefärbt.
Ob diese Einfärbung auf das Festival und vor allem auf den Festival-Veranstalter in Zukunft verblassen wird – und wie weit –, wird sich zeigen. Der Veranstalter wollte diesen Fehler zwar wieder rückgängig machen und hatte die Band wieder eingeladen. Alphaville hat das aber abgelehnt.
Und sogar noch ein anderer Künstler ist aufgrund dieses Ereignisses von der Auftrittszusage zurückgetreten.
Verstehe deine eigene Wirkung. Wie wirkst du selbst als Solomusiker oder als Band auf das Publikum und auf Veranstalter – während du spielst? Was ist der erste Eindruck? Was denken und fühlen die Leute bei diesem ersten Eindruck? Was denken und fühlen die Leute, wenn sie die Musik zum ersten Mal hören? Was ist der Eindruck?
Und was SOLLEN sie fühlen?
Die möglichen neuen Kunden, Veranstalter, Fans?
Denn natürlich willst du doch, dass es Liebe auf den ersten Blick & Ton ist.
Du willst, dass sie sich in deine Musik verlieben. Du willst, dass sie dir folgen. Dann ist es deine Hausaufgabe, genau dafür zu sorgen. Und das funktioniert leider nicht mit der „Ich-bleib-einfach-authentischer-Künstler-Strategie“ – die nämlich gar keine Strategie ist.
Es ist Selbstsabotage.
Und genau davon – und was du stattdessen beachten solltest – erzähle ich mehr in der nächsten Episode.
Abonniere gerne meinen Podcast THE FEVER WITHIN, um nichts zu verpassen!


© 2026 - Julie Wnuk | Sängerin - Musikercoach - Songwriter | Alle Rechte vorbehalten
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