Eine erfolgreiche Musikerkarriere aufzubauen bedeutet weit mehr, als musikalisch hervorragend zu sein.

Außerordentliche Musikalität, Meisterkurse, Musikvideos, Social-Media-Postings und Leidenschaft allein bauen noch keine Karriere auf.

Ich arbeite seit über 20 Jahren professionell als Sängerin und habe auf meinem eigenen Weg einige Umwege genommen, die mich Zeit, Geld und manchmal auch Nerven gekostet haben.

Heute weiß ich: Viele davon wären vermeidbar gewesen.

In dieser Pilotfolge meines Musikerpodcasts THE FEVER WITHIN spreche ich über 13 Fehler und Lektionen, die ich meinem jüngeren Musiker-Ich heute mitgeben würde – von Gagen und Selbstwert über Networking bis zu Musiker-Branding, Marketing und einer strategisch aufgebauten Musikerkarriere.

Was braucht man, um eine nachhaltige Musikerkarriere aufzubauen?

Eine nachhaltige Musikerkarriere entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: musikalische Qualität, eine erkennbare künstlerische Identität, ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot, Sichtbarkeit, Beziehungen und eine Strategie, die zur eigenen Persönlichkeit und den beruflichen Zielen passt.

Genau hier liegt einer der größten Denkfehler im Musikbusiness:

Gute Musik allein ist noch keine Karrierestrategie.

Sicher ist musikalische Qualität die Grundlage. Aber wenn niemand von dir weiß, dein Angebot nicht verstanden wird oder du deine Arbeit dauerhaft viel zu günstig verkaufst, wird selbst hervorragende Musik oder ein tolles Kursangebot nicht automatisch zu einem tragfähigen Beruf.

1. Verkaufe deine Arbeit als Musiker nicht unter Wert

Eine der wichtigsten Lektionen meiner eigenen Musikerkarriere betrifft Geld.

Als hauptberuflicher Musiker musst du mit deinen Gagen deinen Lebensunterhalt, deine Arbeitszeit und die wirtschaftlichen Risiken deiner Selbstständigkeit finanzieren können. Eine pauschale „richtige Gage“ für alle Musiker gibt es trotzdem nicht.

Eine Solosängerin hat eine andere Kostenstruktur als eine zehnköpfige Band. Logisch! Ein Konzert ist etwas anderes als eine Firmenveranstaltung. Auch Angebot, Zielgruppe, Erfahrung, Positionierung und Nachfrage spielen eine Rolle.

Der entscheidende Punkt lautet deshalb:

Eine höhere Gage beginnt nicht erst beim Preis auf deinem Angebot.

Du musst selbst verstehen, welchen Wert deine Leistung für den Kunden besitzt und diesen Wert überzeugend kommunizieren können. Aber ein vernünftiger Preis, eine gute Gage als Musiker, geht weit über eine Berechnung von Anlagentechnik, Sprit und der Anzahl der Vorbereitungsstunden oder der Arbeitszeit hinaus.

2. Du musst nicht berühmt sein, um gute Gagen zu verdienen

Einer der hartnäckigsten Irrtümer unter Musikern ist die Vorstellung, zuerst bekannt werden zu müssen.

Mehr Follower. Mehr Streams. Mehr Reichweite. Und irgendwann kommen dann automatisch die guten Gagen.

Das ist leider mitnichten nicht so. Auch ohne große öffentliche Bekanntheit können Musiker wirtschaftlich erfolgreiche Angebote entwickeln und vierstellige Gagen erzielen.

Bekanntheit und wirtschaftlicher Erfolg sind zwei unterschiedliche Dinge.

Entscheidend ist, ob du ein Angebot geschaffen hast, für das die richtigen Kunden bereit sind, einen entsprechenden Preis zu bezahlen.

3. Eine Musikerkarriere entsteht nicht aus Hoffnung – und nicht aus Intuition

Es gibt diese Geschichten vom Musiker, der über Nacht entdeckt wurde.

Sie sind faszinierend. Sie sind aber keine besonders gute Businessstrategie.

Eine nachhaltige Musikerkarriere entsteht normalerweise durch viele einzelne Entscheidungen und Handlungen, deren Bedeutung man häufig erst Jahre später wirklich erkennt.

Ich habe das selber erfahren. Denn 2005 nahm ich als Sängerin an einer offenen Blues-Session in Bottrop teil. Dieser einzelne Abend hatte Folgen für mein ganzes Leben, die ich damals unmöglich hätte vorhersehen können.

Darüber entstand unter anderem eine Verbindung, die mich über 20 Jahre als Sängerin auf die Bühne bringen sollte. Auch meinen späteren Ehemann und meinen Produzenten lernte ich über diese Entwicklung kennen.

Der entscheidende Punkt ist:

Ohne meine eigene Initiative wäre nichts davon passiert.

Du kannst nicht kontrollieren, welcher Schritt dein Leben verändert. Aber du kannst dafür sorgen, dass du überhaupt Schritte machst.

4. Warte nicht jahrelang auf die Erlaubnis, Musiker zu sein

Viele Künstler leben lange in einer Art Schwebezustand. Auf der einen Seite steht der vermeintlich sichere Beruf. Auf der anderen die Musik.

Sicherlich gibt es Lebenssituationen, in denen ein zusätzlicher Job wirtschaftlich notwendig ist. Besonders mit Familie und finanziellen Verpflichtungen kann diese Entscheidung komplex sein.

Problematisch wird es, wenn Sicherheit zum Dauerargument dafür wird, einen anderen Weg, erst gar nicht zu wagen. Ich persönlich will im Alter später Nichts bereuen etwas „nicht getan“ oder nicht gewagt zu haben.

Eine Musikerkarriere entsteht nicht dadurch, dass du darauf wartest, dass irgendwann jemand anderes entscheidet, dass du jetzt „richtiger Musiker“ bist.

5. Networking gehört zur Musikerkarriere

Kontakte im Musikbusiness entstehen nicht ausschließlich auf Branchenveranstaltungen.

Schau dich auch in deiner eigenen Stadt und Region um:

Welche Sessions gibt es? Welche Bühnen und Kulturvereine? Welche lokalen Unternehmernetzwerke?

Welche Veranstalter? Welche Online-Communitys?

Sichtbarkeit entsteht auch dadurch, dass Menschen wissen, dass es dich und dein Angebot gibt und wofür sie dich ansprechen können. Networking ist deshalb keine Nebensache einer Musikerkarriere. Es ist ein Teil davon.

6. Deine Gedanken sind keine Marktanalyse

„Dafür bezahlt doch niemand.“

„Die Gage kann ich unmöglich verlangen.“

„Bestimmt findet das keiner interessant.“

„Andere Musiker sind viel weiter.“

Solche Gedanken können sich erschreckend real anfühlen.

Das macht sie noch lange nicht wahr.

Ein Gedanke ist zunächst eine Annahme. Ob der Markt tatsächlich so reagiert, erfährst du häufig erst, wenn du dein Angebot testest, sichtbar wirst, Menschen ansprichst und reale Erfahrungen sammelst.

7. Lass dich nicht von jedem von deinem Weg abbringen

Eine Musikerkarriere bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen, die andere Menschen nicht unbedingt verstehen.

Das heißt nicht, jede Kritik zu ignorieren.

Es bedeutet aber sehr wohl, unterscheiden zu lernen zwischen wertvollem Feedback und den Ängsten, Vorstellungen oder Begrenzungen anderer Menschen.

8. Dein Künstler-Image entsteht sowieso

Musiker-Branding ist kein künstliches Image, das man sich irgendwann zusätzlich überstülpt.

Menschen bilden sich ohnehin einen Eindruck von dir.

Über deine Musik. Deine Fotos. Deine Website. Deine Texte. Deine Videos. Deine Kommunikation.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob du als Musiker eine Marke hast.

Die Frage ist, ob das Bild, das draußen entsteht, zu dem passt, wofür du tatsächlich stehen und gebucht werden möchtest.

9. Entwickle dein Branding nicht ausschließlich aus dem Bauch heraus

Hier wird es unangenehm.

Als Künstler bist du deinem eigenen Projekt zwangsläufig sehr nah.

Genau deshalb erkennst du bestimmte Schwächen deiner Außendarstellung selbst nur schwer.

Ein Logo kann dir persönlich unglaublich gut gefallen und strategisch trotzdem vollkommen an deinem Angebot und deiner Zielgruppe vorbeigehen.

Dasselbe gilt für Fotos, Websites, Texte, Flyer und Social-Media-Auftritte.

Dein eigener Geschmack, dein selbst gestaltetes Logo, ist keine Brandingstrategie!

10. Finde eine Art zu verkaufen, die zu dir passt

Verkaufen muss nicht für jeden Menschen gleich aussehen.

Kaltakquise, persönliche Gespräche, Empfehlungen, Newsletter, Werbung, Social Media oder Networking verlangen unterschiedliche Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:

„Wie verkauft man als Musiker?“

Sondern:

Welche Verkaufsstrategie passt zu meinem Angebot, meiner Zielgruppe und zu mir?

11. Baue deine eigenen Marketingkanäle frühzeitig auf

Einen Fehler würde ich heute besonders gerne rückgängig machen. Ich hatte bereits ungefähr 2009 die Idee, einen eigenen Newsletter aufzubauen. Leider war es ja damals viel komplizierter als heutzutage und ich hatte noch nicht diese Dranbleiben-Fähigkeit. Das ist sehr schade, es hätte mir viele Vorteile gebracht. Denn heute weiß ich, welchen Wert eine über Jahre gewachsene E-Mail-Liste für ein Musikerbusiness haben kann.

Der beste Zeitpunkt, einen eigenen Marketingkanal aufzubauen, liegt deshalb immer häufig wesentlich früher, als man glaubt.

12. Strategie und künstlerische Freiheit sind keine Gegner

Künstler sind häufig Rebellen.

Problematisch wird aber diese rebellische Grundhaltung, wenn aus „Ich mache es auf meine Art“ unbewusst „Ich brauche keine Strategie“ wird. Eine gute Strategie muss deine Individualität nicht zerstören.

Sie soll dafür sorgen, dass deine Individualität wirtschaftlich funktionieren kann.

Darin liegt ein entscheidender Unterschied.

13. Gib den Stift für deine Musikerkarriere nicht aus der Hand

Manager, Produzenten, Labels, Veranstalter und andere Partner können eine Musikerkarriere enorm voranbringen.

Aber niemand sollte mehr Interesse an deiner Karriere haben müssen als du selbst.

Mach deinen Erfolg deshalb nicht vollständig davon abhängig, entdeckt, ausgewählt oder gerettet zu werden.

Lerne dein eigenes Business zu verstehen.

Lerne Marketing. Verstehe dein Angebot, verstehe deine Zielgruppe.

Und verstehe, wie aus deiner Kunst ein wirtschaftlich tragfähiges Musikerleben entstehen kann.

Schreib dein eigenes Drehbuch – und gib den Stift dafür nicht aus der Hand.

Was ist also der Schlüssel zu einer erfolgreichen Musikerkarriere?

Es gibt keinen identischen Karriereweg für alle Musiker.

Ein Singer-Songwriter braucht eine andere Strategie als eine Coverband. Eine Musiklehrerin verfolgt andere Ziele als ein Tourmusiker. Eine Eventsängerin braucht andere Marketingwege als ein Künstler, der eigene Alben veröffentlicht.

Aber die zugrunde liegenden Fragen bleiben ähnlich:

Wer bist du als Künstler?

Was bietest du an?

Für wen ist dieses Angebot gedacht?

Warum sollte jemand ausgerechnet dich hören, buchen oder bei dir lernen?

Wie werden die richtigen Menschen auf dich aufmerksam?

Und wie entsteht daraus ein wirtschaftlich tragfähiges Modell?

Der konkrete Weg ist individuell.

Strategielosigkeit ist es nicht.

Genau darüber spreche ich in THE FEVER WITHIN: Musiker-Branding, Musikermarketing und den strategischen Aufbau einer Musikerkarriere, die nicht nur auf Hoffnung, Likes und Applaus basiert.

Hör dir die komplette Podcastfolge an

In der Pilotfolge von THE FEVER WITHIN erzähle ich ausführlicher von meinen eigenen Erfahrungen aus über 20 Jahren Musikbusiness und führe dich am Ende durch ein Mindset-Workout mit deinem zukünftigen Ich.

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