In den letzten Wochen tauchen immer öfter Nachrichten über die KI Band „the velvet sundown“ – queer durch sämtliche Medienformate – auf. Dieses künstliche, nicht reale Bandprojekt erziehlt dabei schon beachtliche Streamingergebnisse mit millionen monatlichen Hörern. Ich dachte ein wenig darüber nach und überlegte, wie weit das gehen kann – und was das im Endeffekt bedeutet.
Selbstverständlich ist es für jeden Musiker ein Ärgernis: ein reine KI- Band nimmt uns Musikern gefühlt einen Platz weg. Einen Platz, den eine Maschine eigentlich nicht verdient haben sollte. Immerhin steht (noch) am Ende ein Mensch hinter der Arbeit, der sie noch erstellt und einpflegen muss. Aber wenn man genauer hinschaut, zeigt uns das sehr viel über Spotify selber. Spotify ist an sich schon für jeden Musiker und Künstler eine echte Klatsche ins Gesicht bei der Unverschämtheit, den sich dieser Konzern tagtäglich gegenüber den Musikern, den Urhebern der Musik leistet.
Ist es an sich schon eine bodenlose Ausbeutung, dass die großen Konzerne ,Streamingportale und Musikdienste für das Werk des Künstlers – z.B. einem Album 10 Euro verdienen und der Urheber noch nicht mal die Chance hat, etwas zu der Höhe der Vergütung auszuhandlen, so setzt Spotify dem Gruselkabinett noch eins drauf und bestimmt die Ausbeutungsregeln derart, dass man als Musiker erst ab 1000 Streams überhaupt – einen immer noch lächerlichen Teilbetrag der Gesamtvergütung ausgezahlt bekommt. Das muss man sich mal vorstellen: Spotify bestimmt einfach, dass man als Künstler 1000 seiner Songs verschenken muss bevor man eine Auszahlung bekommt. Hallo???
Stell dir mal vor, du wärst ein Pizzabäcker. Und weil du Teil eines Franchiser wärst (ohne dessen Hilfe du gefühlt nichts verkaufen würdest), würde der Franchiser bestimmen, dass du 1000 Pizzen umsonst backen müsstest bevor du auch nur einen Euro pro Pizza danach verdienen „dürftest“. Vielen Dank. So sieht moderne Ausbeutung heutzutage aus. Und ich habe noch nicht mal davon gesprochen, dass es weit mehr Arbeitsleistung und eine Maßanfertigung braucht um einen guten Song zu schreiben. Da ist es kein Wunder, dass solche KI Bands und KI Künstler wie the velvet sundown band entstehen und auf den Streamingportalen Erfolge haben. Wo Spotify also überhaupt gar kein Interesse an den Kreativen zeigt, die immerhin die Produkte für Spotify (!) erstellen (das Interesse gab es noch nie) , so wird auch deutlich das es Spotify offensichtlich EGAL ist ob Menschen mit der Hilfe von K.I. künstliche Musik auf deren Plattform einstellen. Spotify gibt sich noch nicht mal die Mühe, es wenigstens zu kennzeichnen. Und das – ist das absolute Minimum. Das Minimum an Respekt gegenüber den Künstlern – gegenüber den eigenen Kunden. Aber mit Respekt oder Achtung ist es bei Spotify anscheinend schwierig. Selbst vor toten Künstlern gibt sich Spotify schwierig und taub: https://www.golem.de/news/musikstreaming-spotify-erlaubt-ki-songs-in-profilen-verstorbener-kuenstler-2507-198347.html
Das Dilemma mit Spotify – Die Wahl zwischen Pest und Cholera – aber der Schein der Einbahnstraße trügt
Aus Musikersicht kommt man ziemlich schnell zu der Überzeugung, dass man keine Wahl hat. Entsagt man sich von den bekanntesten Streamingplattformen – wo will man dann überhaupt gefunden werden? Wie will man Reichweite bekommen? Wie nur bekannter werden? Und dann ist da diese technische Hürde auf Seiten der Nutzer. Natürlich haben Nutzer keine Lust 1000 verschiedene Apps zu installieren etc… Eine neue entwickelte App oder Plattform würde keinen Sinn ergeben und würde obendrauf erst noch Entwicklungs- und Marketingkosten verursachen. Und dann kam mir folgender Gedanke: Wir Musiker müssen selber für die Wertsteigerung sorgen. Wir müssen selber dafür sorgen, dass unsere Musik, unser Album UNSERE ARBEIT nicht billig missverstanden wird. Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung bin ich sicher und glaube, dass das möglich ist. Aber dazu ist eine grundsätzliche Arbeit und die nötige Kommunikation erforderlich.
Du musst interessierten Fans und Kunden deiner Musik, deiner Shows verständlich machen, warum du dein Album nicht mehr mit 10 Euro oder verkaufen kannst. Du musst es verständlich zeigen und erklären welche Arbeitsleistung da auch wirklich hintersteht. Ich glaube, dass du als Musiker dein Album im Grunde verkaufen musst wie ein Gemälde. Selbstverständlich bestimmst du selber den Preis. Und selbstverständlich muss der Wert dessen auch erkennbar sein. Du kannst sicherlich nicht 500,- Euro für dein Werk auf einer Audio CD bekommen, die du alleine Zuhause in schlechter Qualität, mit schlechten Songs aufgenommen hast… das wird nicht funktionieren.
Wie kann man rechtfertigen für ein „ehemals“ 10,- Euro Produkt 300,- oder 600,- zu bekommen?
Na weil der Wert von Kunst – und auch von Musik – sich auf gar keinen Fall nach dem reinen Material-Wert bemessen lässt. Die Zeiten haben sich außerdem für Künstler radikal verändert. Corona hat das Feuer des modernen Musiker-Dilemmas wie durch ein Brennglas vergößert.. die gesamte Veranstaltungswirtschaft musste ihre gestiegenen Kosten (gestiegene Lohnkosten, schlechtere Planbarkeit…. ) an den Endverbraucher irgendwo weitergeben. Über normale CDs wird schon lange nicht mehr das große Geld verdient. Die alten Zeiten sind vorbei. Die großen Künstler verdienen ihre Gagen jetzt eher an Konzerten und Merchandise. Es ist unfair, was die Streamingportale machen. Aber muss man das als Musiker akzeptieren? Mitmachen? Nein!
Bildende Künstler, die verstanden haben, dass sie ihr Werk nicht unter einem bestimmten Preis verkaufen können, berechnen mehrere Tausend Euro für ihr Original-Werk. Das ist auch völlig richtig so und angemessen . weil der Wert der Kunst sich eben nicht nur an der reinen Zeit, die dieser dafür brauchte um das Bild zu malen, bemisst. Es geht auch nicht um den reinen Materialwert oder die reine Arbeitszeit, die der Maler für das Werk benötigte. Sondern der Wert ensteht mitunter durch andere Teile wie Originalität, Fertigkeit, technische Ausführung…. vor allem ergibt sich der Wert aus den Jahren, die ein Künstler überhaupt braucht um seine Kunstwerke, seine Fertigkeit, seine einzigartige Perspektive auf ein gewisses Level zu heben- zu transformieren. Die ganzen Fähigkeiten und Jahre, die man braucht, die sich nur durch Zeit und Erfahrung, Hingabe, Sichtweise und Persönlichkeit erschließen lassen. All das, was eine noch so weit entwickelte K.I. niemals für sich selbst oder aus dem Inneren heraus selber haben kann…
Du hast als Musiker eine andere Wahl! Du kannst selber mit entsprechender Kommunikation dafür sorgen, dass Menschen einen neuen Preis für eine CD – für dein Werk(!) für deinen Auftritt -akzeptieren. Für Auftritte – habe ich selber die Erfahrung gemacht, dass neue, höhere Preise funktionieren – voraussgesetzt wenn man gewisse Regeln beachtet. Für eine CD – für ein Album – das auf jedenfall auch digital vorhanden sein sollte – bin ich auch überzeugt, dass es funktionieren kann.
Wenn Menschen und Fans auf Künstlerplattformen wie Patreon Künstler und Musiker unterstützen, dann nicht ohne Grund. Endverbraucher dieser Plattformen haben offensichtlich ein anderes Verständnis und Respektgefühl gegenüber den Werten, die Musiker und Künstler erschaffen. Der Punkt ist: du brauchst nicht unbedingt so eine Plattform. Du kannst dich auch auf Paypal anmelden und darüber direkt verkaufen. Selbstverständlich nimmt Paypal auch eine Transaktionsgebühr pro Verkauf. Und es gibt mittlerweile sehr viele andere Verkaufsplattformen über die du verkaufen kannst. Nur klar ist auch : Am Ende musst du dich trotzdem ums Marketing und ums Verkaufen kümmern.
Vielleicht hältst du mich jetzt für völlig übergeschnappt – dann bitte! Nur zu! Ich weiss: Als Künstler, als Musiker, als Songwriter oder Produzent – kannst du von 10,- oder 20,- € pro CD nicht mehr leben. Und das liegt nunmal daran , dass CD’s sich eben nicht mehr gut verkaufen lassen. Klar verdient man zwar besser als von den Streamingplattformen – aber im Grunde kannst du davon nicht leben. Der klassische CD-Verkauf, wie wir ihn kannten ist vorbei. Die CD ist tot. Aber eines weiß ich: Streaming ist definitiv weder die Lösung noch das Ende. Und die neue Art, wie wir UNSERE SONGS verkaufen wollen ist vielleicht noch nicht in Sicht – aber wir sollten uns das nicht aus der Hand nehmen lassen. Dafür haben wir nicht jahrelang in unseren Proberäumen und Zimmern gesessen und geübt und an unseren Melodien und Sounds, an unseren Fertigkeiten an Stimme und Instrument, gefeilt. Mit einem Hungerlohn sollte sich kein Profi-Musiker zufrieden geben. Ich tue es nicht und du solltest es besser auch nicht : Denn das Drehbuch des armen Musikers hat ausgedient!


© 2025 - Julie Wnuk | Sängerin - Musikercoach - Songwriter | Alle Rechte vorbehalten
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen